Die Fichte ist Baum des Jahres 2017!

Welch ein Prachtexemplar ist die Fichte, wenn sie nicht im eintönigen Stangenforst

Rot-Fichte (Picea abies) Quelle: greenmedia.de

eingeengt ist. In Etagen schrauben sich die mächtigen Äste nach oben in den Wipfel. Der dicke braune Stamm steht gerade 40 – 60 Meter hoch und erhaben mit Wurzeln, die fest in den Boden greifen. Ihr Duft prägt den Wald und lässt sogleich an Feen, Waldgeister, Rotkäppchen, leckeren Pfifferlingseintopf oder an den Weihnachtsmann denken.

Leider hat der Ruf der Fichte in den letzten 200 Jahren arg gelitten. Zu Unrecht! Es wurde Zeit mit einer Benennung zum Baum des Jahres 2017 an ihre Vorzüge und wechselvolle Geschichte zu erinnern.

Weltweit gibt es etwa 40 Fichtenarten, die die nördliche, gemäßigte Zone Europas, Nordamerikas und Asiens besiedeln. Die in Deutschland häufigste Fichte ist die Gemeine Fichte (Picea abies) mit einem Flächenanteil von etwa 28 %, vor der Kiefer die häufigste Baumart in Deutschland. Allerdings wäre sie ohne das Zutun des Menschen nicht so häufig vertreten.

Sie ist ein Pionierbaum, der ohne Hilfe des Menschen bevorzugt im Dickicht von Mischwäldern wächst und ab und zu die Wipfel des Waldes erreicht. In hohen Lagen oberhalb 1000 Meter gedeiht sie besser als jede andere Baumart. Dort und nur dort bildet sie manchmal reine Fichtenbestände aus.

Die typischen dunklen und eintönigen Fichten-Monokulturen dagegen, wie wir sie vom Schwarzwald, Harz und vielen anderen Wäldern kennen, sind allesamt in den letzten 200 Jahren angepflanzt.

Damals rettete die Fichte uns Menschen das Leben.

Im 18. und 19. Jahrhundert waren aufgrund Zerstörung durch Kriege und Abholzung fast alle Wälder verschwunden. Die schnellwachsende Fichte mit widerstandsfähigem und ertragreichem Holz eignete sich hervorragend für die Wiederaufforstung. Die Kohlebrenner und Glashütten hatten wieder Nachschub, die Schweinemast mit Zapfen war gesichert und die Holz-Handwerker konnten weiter arbeiten. Man nannte die Fichte deshalb auch den Brotbaum der deutschen Forstwirtschaft.

Die Probleme zeigten sich erst einige Jahrzehnte später, vor allem zu Zeiten des Waldsterbens in den 90iger Jahren. Die arme Fichte trug daran jedoch keine Schuld. Der Mensch hat sie nur nicht richtig eingesetzt und behandelt.

Denn wird die Fichte am unpassenden Standort (z.B. verdichteter Boden, Staunässe oder Trockenheit, zu viel Nährstoffe, zu kalkhaltig) und in Monokultur angebaut, dann entwickelt sie Schwächen. Sie wird anfällig für Schädlinge und bildet das Wurzelwerk nicht richtig aus, so dass sie Windwurf wenig entgegenzusetzen hat. Die Forstwirtschaft hat daraus gelernt und setzt deshalb wieder auf Mischwaldbetrieb. Denn verzichten will man auf sie sicher nicht, so wertvoll, wie sie für uns Menschen ist.

Weshalb wir die Fichte lieben

Bau- und Möbelholz

Fichtenholz gehört zu den Weichhölzern. Es lässt sich gut bearbeiten und ist gleichzeitig fest und elastisch. In punkto Dauerhaftigkeit wird sie nur von der Kiefer und der Lärche übertroffen. Es wird daher gerne im Hausbau und zur Herstellung von Möbeln und allerlei Gebrauchsgegenständen genutzt.

Klangholz

Die Fichte ist das Holz der Geigenbauer und Klavierhersteller. Schon am lebendigen Stamm soll der spätere Klang des tonverstärkenden Holzes erahnbar sein. Deshalb gingen berühmte Geigenbauer früher selbst mit der Axt in den Wald.

Brennholz

Fichtenholz hat im Vergleich zu anderen Gehölze einen eher geringen Brennwert. Die Fichte verpufft die Wärme großzügig zu Asche ohne Glut und verbreitet großzügig und verschwenderisch Wärme. Fichtenholz ist daher sehr gut dafür geeignet, ein kaltes Haus schnell aufzuheizen. Außerdem kann man das Holz leicht in kleine Späne aufspalten, mit dem das Holz angefeuert werden kann. Früher benutzte man gerne feingehacktes Fichten- und Espenholz im Küchenofen, weil man damit die Hitze sehr gut kontrollieren konnte. Man brauchte nur ein paar Scheite hinzulegen, dann wurde es innerhalb weniger Minuten heißer. Deshalb wurde Fichtenholz früher auch als “Küchenholz” bezeichnet. Das “Stubenholz” war dagegen die Birke.

Ein weiterer Grund Fichtenholz unter das Brennholz zu mischen: Es duftet so wunderbar harzig nach Wald.

Aber Vorsicht! Die Fichte versprüht Funken! Weil das Holz eine sehr dichte innere Struktur hat, neigen die Harztaschen im Inneren dazu zu explodieren. Es eignet sich daher eher für geschlossene Öfen oder Kamine.

Heilmittel

Schon Hildegard von Bingen liebte die Fichte. Für sie war sie ein bewahrender, weiblicher Baum, der die Fähigkeit besaß Krankheiten von den Menschen zu nehmen. In vielen anderen Kulturen galt sie zu früheren Zeiten als Sinnbild der Kraft und Ausdauer. Besonders wertvoll sind die jungen Fichtennadeln. Sie helfen als Tee, Hustensirup, im Franzbranntwein und Badewasser gegen Erkältung und Grippe. Es wirkt blutreinigend, schweißtreibend und ist Vitamin-C-Spender.

Das Fichtenharz wurde früher als Arznei in der Apotheke verkauft. Nach Pfarrer Kneipp wirkt das ausgeschwitzte Harz von der Größe einer Erbse, unzerkaut anregend und kräftigend.

Heute liefert das Fichtenharz die Grundlage vieler Heilmitten. Es enthält bis zu 15 – 30 % Terpentinöl, das in Pflastern und Salben, z. B. gegen Rheuma und Neuralgien eingesetzt wird.

Gartenzierde und Tieroase

Der Trend für 2017 und darüber hinaus: Mini-Fichten für Innen und Außen! Die kleinen Bäumchen bieten viele Gestaltungsmöglichkeiten, sei es für den Esstisch, den Eingangsbereich, auf dem Balkon, für den Garten oder als flottes Geschenk jenseits von Deko-Kerze, Kranz & Co.

Aufgrund seiner Dichtigkeit eignet sich die Fichte auch wunderbar als Heckenpflanze. Sie kann gut geschnitten werden und duftet herrlich. Im Garten als Einzelbaum angepflanzt weckt sie Urlaubsgefühle und gibt mit ihrem dunkelgrünen Nadelkleid einen wunderschönen Hintergrund für prächtig bunte Blumenrabatte. Sie braucht etwas Platz im Garten, da unter ihrem dichten Nadeldach nur wenige Pflanzen wachsen können, dazu gehören jedoch Topseller wie die leckere Heidelbeere, Farne, Gräser und Zwergsträucher. Noch ein Pluspunkt für die Fichte: Sie bietet vielen Kleintieren und Vögeln, wie Specht, Eichelhäher, Schmetterlingen, … Lebensraum, Brutplatz und Nahrungsgrundlage.

Weihnachtsbaum

Fichte oder Nordmanntanne? Duft und piekende Nadeln oder kein Duft und weiche Nadeln? Fichtenliebhaber entscheiden sich ohne mit der Wimper zu zucken für den Wald-Duft – und vielleicht auch für ihren günstigeren Preis.

Beliebte Weihnachtsbäume sind die Gemeine Fichte (Picea abies) und die etwas teurere Blaufichte bzw. Blaue Stech-Fichte (Picea pungens ‘Glauca’), die wegen ihrer bläulichen Nadeln mit dem ausgeprägten Tannennadel-Duft auch Blautanne genannt wird. 

„Ein Fichtenbaum steht einsam im Norden auf kahler Höh’.
Ihn schläfert; mit weißer Decke umhüllen ihn Eis und Schnee.
Er träumt von einer Palme, die, fern im Morgenland,
einsam und schweigend trauert auf brennender Felsenwand.“
Heinrich Heine, 1797 – 1856, deutscher Dichter, in: Buch der Lieder von 1827